Bürgermeisterkandidaten im Interview des Burghauser Anzeigers: Stefan Niedermeier (UWB) setzt auf Kooperation, um Herausforderungen zu meistern
(Burghauser Anzeiger, 3. Februar 2026)
Herr Niedermeier, wie schon vor sechs Jahren macht die UWB (Unabhängige Wähler Burghausen) bislang deutlich weniger Wahlkampf als die anderen Parteien. Welche Strategie steckt dahinter?
Stefan Niedermeier: Wir lassen es nicht unbedingt ruhiger angehen. Wir haben einige Termine im Wahlkampf und wir sind über die ganzen sechs Jahre hinweg präsent gewesen. Ich bin allerdings nicht überall, sondern versuche, meine Punkte zu setzen. Wir haben einen Handzettel mit unseren Hauptpunkten erstellt und – das liegt auch am Budget – komprimiert Wahlwerbung gemacht. Ich denke, der Bürger blickt auf die letzten sechs Jahre zurück und macht sich aufgrund dessen ein Bild von uns und mir als Bürgermeisterkandidat.
Das ist nun schon Ihr zweiter Bürgermeisterwahlkampf. Warum treten Sie nochmal an und warum glauben Sie, dass Sie dieses Mal Erfolg haben?
Niedermeier: Es gibt mehrere Gründe, aber der Wichtigste ist, dass Burghausen ganz viel Potenzial hat. Es ist enorm wichtig, dass man das nicht verschläft. Der zweite Punkt ist, dass Burghausen nach diesen sechs Jahren wirklich bereit ist für Veränderungen. Verdiente Stadträte hören auf. Neue Leute mit neuen Ideen kommen. Und: Es geht nicht darum, Probleme zu verstehen, sondern zu lösen. Das will ich tun.
Kommen wir zu Ihren Hauptthemen im Wahlkampf. Was sind Ihre wichtigsten Punkte?
Niedermeier: Wenn man es ganz plakativ formulieren will: Wir müssen schauen, dass wir immer eine Hand voll Wasser unter dem Kiel haben. Das ist gerade beim Thema Energie wichtig, genauso bei der Industrie und besonders bei der Sicherung der Wasserversorgung.
Soll das Burghauser Wasser auch künftig aus dem Weilhartsforst kommen?
Niedermeier: Das wäre natürlich wünschenswert.
Welche Themen gibt es noch?
Niedermeier: Wichtig ist mir auch die Fortführung der Wärmeversorgung mit dem Ausbau der Fernwärme. Mein Augenmerk liegt darauf, dass man die Fernwärme für den Bürger in Burghausen so interessant wie möglich gestaltet, sei es mit Zuschüssen oder mit Preissicherheit. Und dann, als vierter Hauptpunkt, sind mir Kooperationen wichtig. Burghausen ist nicht allein. In den vergangenen Jahren sind Dinge oft an Beteiligten gescheitert. Um die Zukunft zu meistern, müssen wir mit unseren Nachbarn, dem Landkreis und darüber hinaus zusammenarbeiten und kooperieren.
Wobei Kooperieren nicht immer einfach ist. Denken wir an die Burghauser Ortsumfahrung. Hier wird eine Zusammenarbeit mit Mehring kaum möglich sein. Die Interessen sind zu unterschiedlich.
Niedermeier: Eine Kooperation mit Mehring spielt bei der Ortsumfahrung eine wichtige Rolle. Nur miteinander können wir eine Entlastung der Burghauser Bürger erreichen. Wir können mittelfristig auch erreichen, dass wir das Gebiet um Burghausen herum zusammen mit Mehring entwickeln. Das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt bei der Ortsumfahrung. Man muss das Große und Ganze im Blick haben.
Bei den Nominierungsveranstaltungen kristallisierten sich zwei große Themen heraus, bei denen die Burghauser Gruppierungen sehr unterschiedliche Positionen vertreten: die Parkraumbewirtschaftung und die Maria-Ward-Realschule. Was ist Ihre Meinung zur Parkraumbewirtschaftung?
Niedermeier: Ich halte die vorher erwähnten Punkte für viel wichtiger. Alles andere kommt an zweiter und dritter Stelle. Die Parkraumbewirtschaftung ist eine Möglichkeit, Einnahmen zu generieren. Aber das Parken muss am Ende für die Burghauser bezahlbar bleiben. Hier gibt es intelligente Lösungen, auch für die Verkehrssteuerung. Also ein Ja für eine bezahlbare Parkraumbewirtschaftung, um Einnahmen zu generieren, die für notwendige Instandhaltungsmaßnahmen z.B. der Tiefgaragen verwendet werden.
Und ihre Meinung zur Maria-Ward-Realschule?
Niedermeier: Die Kostenträger müssen hier ihren Verpflichtungen nachkommen. Burghausen hat in seinen guten Zeiten viele zusätzliche Aufgaben übernommen, das wird in Zukunft in dem Maße nicht mehr möglich sein. Die Kosten sind also Trägersache. Dafür braucht es die Entscheidung, wer künftig Träger dieser Schule ist. Auch hier werden wir wieder Kooperationen brauchen. Die Frage ist auch, in welcher Größenordnung man die Realschule tatsächlich umbaut. Der Standort ist für mich ebenfalls diskutabel. Es ist nicht ein Stein gemeißelt, dass die Schule am Stadtplatz bleiben muss.
Kooperationen wird man auch bei der Belebung des Krankenhausgebäudes brauchen. Was sind hier Ihre Vorschläge?
Niedermeier: Das Krankenhaus ist auch mit dem Engagement des BRK bereits gut belegt. Es hat sich viel getan. Daher stelle ich mir die Frage, ob das nicht ein Selbstläufer werden kann. Eine Erbpachtlösung kann sinnvoll sein wenn der Preis passt. Aber Burghausen ist nach meiner Meinung nicht der erste Partner für Mitwirkung in MVZ’. Grund und Boden ja, wenn es die finanzielle Lage erlaubt und wenn der Umfang absehbar ist.
Gut entwickelt hat sich in den vergangenen Jahren das Salzachareal. Ist die Belebung dort ebenfalls ein Selbstläufer?
Niedermeier: Alle Burghauser sind froh, dass wir die Baugeräte und Kräne sehen und dass die VR-Bank den Bau in Angriff genommen hat. Das ist jetzt auf einem guten Weg. Wenn die Bank es auch schafft, neben den Ankermietern weitere interessante Geschäfte zu etablieren, wird das eine gute Geschichte werden. Ich habe das schon öfter angesprochen: In der Neustadt fehlen uns Gastronomie und Lokalitäten, besonders für die Jugend. Wenn sich da im Salzachzentrum noch etwas ergibt, wäre das toll. Es soll sich dort ja etwas rühren.
Auch dafür bräuchte man Partner. Die Stadt wird kein Wirtshaus betreiben können.
Niedermeier: Die Stadt kann nur Wünsche äußern. Eine Umsetzung obliegt natürlich dem Bauherrn.
Sie hatten bereits die Industrie angesprochen. Burghausen hat wenig Möglichkeiten, entgegenzuwirken. Wie sehen Sie hier die Rolle der Stadt?
Niedermeier: Geht hier, wie jetzt, die Entwicklung in eine ungute Richtung, ist das fatal. Hier kann die Stadt nur fordern, dass bei Kraftwerksplänen und Stromversorgung etwas vorwärts geht. Ein günstiger Strompreis ist wesentlich. Das muss die Politik endlich angehen, wir dürfen nicht müde werden, das zu verlangen.
Die schwierige Lage der Industrie hat auch zur schwierigen finanziellen Lage Burghausens geführt. Wo kann noch gespart werden?
Niedermeier: Es wird überall Einsparungen geben müssen. Wir müssen aber die wichtigsten Punkte im Blick behalten, zum Beispiel Instandhaltung der Liegenschaften, Straßen und Plätze.
Kommen wir zum Wahlkampf zurück: Sie haben mit der Bürgerliste Burghausen.Jetzt einen Konkurrenten bekommen, der sich ebenfalls Unabhängigkeit auf die Fahnen schreibt. Wird sich das im Wahlergebnis niederschlagen?
Niedermeier: Ich sehe das nicht als Konkurrenz. Wir haben viele gute Bewerber auf allen Listen und auch gute Bürgermeisterkandidaten. Die Unabhängigen Wähler Burghausen gibt es seit 1972. Seitdem punkten wir mit Bürgernähe, Parteienunabhängigkeit und Ideologiefreiheit. Wir haben in den vergangenen sechs Jahren und auch schon in den Jahren zuvor gezeigt, dass wir das umsetzen können. Natürlich hätte sich die Bürgerliste in der Parteilandschaft umsehen und sich fragen können, ob wir etwas miteinander machen. Aber auch so tut das der Demokratie keinen Abbruch, sondern belebt das Geschäft.
Werden Sie also trotzdem wieder drei Sitze holen?
Niedermeier: Wir möchten mindestens vier Sitze haben – und mit mir einen Bürgermeister stellen. Mein Ziel ist es, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Mit dem Motto Dinge nicht nur zu verstehen, sondern ideologiefrei zu lösen.
Interview/Foto: Johanna Richter, Burghauser Anzeiger


